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Grüner leben - Back to the roots in Küche und Haushalt

Der Beweis: Ich hab nicht alle Tassen im Schrank.
Der Beweis: Ich hab nicht alle Tassen im Schrank.

Ich sitze in der kleinsten Küche, die ich jemals besessen habe, um diesen Artikel zu schreiben. In unserem jetzigen Zuhause ist die Küche offen zum Wohnraum und gleicht eher einer sehr großen Kochnische. Trotzdem haben wir es geschafft, noch einen Tisch mit zwei Stühlen hier reinzustellen. Wenn wir Gäste erwarten, wird der Tisch ins Wohnzimmer getragen und auseinandergeklappt. Auch wenn wir uns öfter gegenseitig im Weg stehen beim gemeinsamen Kochen, ist das für mich die schönste und praktischste Küche, die wir jemals hatten. Klein aber fein. Minimalistisch. Alles, was wir täglich brauchen, passt in die wenigen Schränke. Und das Beste daran: Ich muss nicht so viel putzen! Was war das immer für ein Event, den Küchenjahresputz zu vollstrecken! Und was habe ich mich nicht immer drumherum gedrückt und abgequält. Jetzt mache ich das beim Spülen nebenbei.

 

Die Gewürzregale links sind eigentlich für Bilderrahmen gedacht.
Die Gewürzregale links sind eigentlich für Bilderrahmen gedacht.

 

Ja, richtig, wir spülen von Hand. In unserer letzten Wohnung habe ich mich pausenlos über die Spülmaschine geärgert, weil sie nicht richtig trocknete, manche Teile nicht sauber waren oder mir beim Öffnen der Klappe ein übler Gestank entgegenwehte. Trotz aller empfohlenen Vorkehrungen. Das Ding war einfach alt und hinüber und hätte ersetzt werden müssen. Nachdem uns jedoch schon in der vorletzten Wohnung die Spülmaschine während unseres Urlaubs ausgelaufen war und uns bei unserer Rückkehr mit einer Riesenpfütze in der Küche begrüßte, entschieden wir uns endgültig für das Spülen von Hand. Auch wenn behauptet wird, dass auf diese Weise mehr Wasser verbraucht wird. Das kann ich nicht bestätigen. Unser Wasserkonsum ist nicht gestiegen. Im Gegenteil. Man muss halt wissen, wie man's macht. Wir haben vorher trotzdem Töpfe und Pfannen oder Holzteile zusätzlich im Becken gesäubert. Da kann ich auch gleich alles andere mitspülen. Das Herstellen einer Spülmaschine verbraucht ja schließlich auch schon Energie und Ressourcen. Dann kostet so ein Teil mehrere hundert Euro. Zusätzlich zum Wasser verbraucht die Maschine Strom. Ich laufe ohne Elektrizität. Am wichtigsten war mir aber die Verschwendung meiner persönlichen Energie durch Frust und Ärger, weil das Ding nicht tut, was es soll, ich jemanden anrufen muss, der es repariert... Und der Krach! Ich werde diesbezüglich immer empfindlicher. Spülen von Hand ist schön ruhig, ich schaue dabei aus dem Fenster, winke dem Nachbarn mit der Spülbürste und höre nebenher Musik. Ich muss allerdings dazu sagen, dass wir hier ein 2-Personen-Haushalt mit wenig Verbrauch sind. Bei einer Familie mit Kindern kann ich verstehen, dass eine Maschine bevorzugt wird ebenso wie ein Wäschetrockner. Auf den können wir hier dank großzügiger Aufhängmöglichkeit im Heizungs-Wasch-Keller endlich wieder verzichten. Das beschert nicht nur unseren Klamotten ein längeres Leben, sondern senkt auch unsere Energiekosten. Und die Umwelt sagt Danke!

 

Da in unserem Dorf das Wasser ziemlich kalkhaltig ist, was ich so bisher nicht kannte, haben wir auch keine Kaffeemaschine mehr. Die letzte, die uns jahrelang gedient hatte, gab kurz nach dem Umzug den Geist auf trotz ständiger Entkalkung, was mich nur noch nervte, weil die Kaffeemaschine trotzdem wie eine alte Dampflock vor sich hin paffte und mehr heiße Luft als Kaffee produzierte. Wir haben jetzt Handfilter aus Porzellan. Der Kaffee schmeckt besser. Einen Wasserkocher besitzen wir nicht, weil ich den 25 Jahre alten Pfeifkessel viel schöner finde. Wie es hier mit Energieersparnis aussieht, weiß ich nicht genau. Ich finde jedenfalls nicht, dass es länger dauert. Und ich muss zugeben, dass es mich stört, viele Elektrogeräte rumstehen zu haben, die jeweils nur eine einzige Aufgabe erfüllen. Wir leben ohne Toaster, Thermomix, Eierkocher und Friteuse. Mein Brot backe ich traditionell im Backofen ohne Brotbackmaschine. Den Teig dafür knete ich mit den Händen. Die funktionieren ganz hervorragend und sind vielseitig einsetzbar. Vorbereitungszeit (ohne Hefe sondern mit Natron und Apfelessig) 10-15 Minuten, Backzeit 50 Minuten. Geht echt zackig und schmeckt sogar Gästen. Ich besitze einen kleinen Handmixer für Humus, Pesto und dergleichen. Und eine elektrische Kaffeemühle, die ich damals beim Auszug aus meinem Elternhaus geschenkt bekommen habe. Die pulverisiert ganz praktisch. Nicht nur Kaffeebohnen. Im Keller hat mein Mann noch so ein elektrisches Rührdings zum Backen. Das wird einmal im Schaltjahr hervorgekramt. Ansonsten laufen hier nur Herd und Ofen. Und Abzugshaube. Auf den Kühlschrank zu verzichten, wäre mal eine Herausforderung. Der Vorratsraum im Keller ist recht kühl, eignet sich jedoch nur für Gemüse. Außerdem würde uns das Einfrieren von Lebensmitteln fehlen. Ich bin froh, dass die Waschmaschine bisher gut ohne Verkalkungserscheinungen läuft. Ich gebe zur 60° Wäsche immer etwas Essig ins Weichspülerfach und Natron zum Waschmittel. Scheint zu funktionieren. Mit dem Staubsauger ist die Waschmaschine das einzige Haushaltsgerät, auf das ich niemals verzichten wollen würde. Ansonsten bin ich, was Elektrogeräte betrifft, einfach etwas schrullig. Ich hasse es, wenn sie nicht richtig funktionieren und kaputt gehen. Sie stören meinen inneren Frieden.

 

Was ich gerne mal ausprobieren möchte, ist Spül-, Wasch- und Putzmittel selbst herzustellen. Bei Smarticular gibt es dazu tolle Rezepte. Sowas darf aber nicht allzu aufwendig sein oder zu schnell vergammeln, sonst lohnt sich das für mich nicht. Aber ich würde gerne an dieser Stelle Plastikmüll vermeiden und umweltverträglicher waschen / putzen. Hier wird übrigens auch der Unterschied zwischen Natron und Soda erklärt. Ich versuche, weniger Spezialreiniger zu verwenden und mehr mit demselben Mittel zu reinigen. Die Toilette putze ich nur noch mit Natron und Zitronensäure oder Essig. Ich hoffe, dass ich auch in den anderen Bereichen irgendwann komplett auf natürlich umsteigen kann. Zum Spülen verwende ich mittlerweile keine Schwämme mehr, die Plastik enthalten und nach einer Weile weggeworfen werden. Bei meiner Suche nach einer plastikfreien und waschbaren Alternative kam ich schlussendlich auf die denkbar einfachste Idee: alte Baumwoll-Waschlappen aus dem Badezimmerschrank zum Spülschwamm umfunktionieren. Man muss nicht immer etwas Neues kaufen und in diesem Fall auch nicht unbedingt Spüllappen aus alten Badetüchern nähen, wie ich es in letzter Zeit ständig auf Instagram sehe. Die Häkelanleitungen für Spültücher fand ich zwar toll, aber darin bin ich nicht so geduldig und talentiert. Und es funktioniert erstaunlich gut mit dem Waschlappen. Für härteren Schmutz nehme ich die Holzspülbürste mit Wechselkopf aus abbaubaren Borsten oder das Kupfertuch.

 

Bei einem umweltbewussten Leben gilt die Regel, erst aufzubrauchen, was noch da ist, Dinge zweckentfremden oder upcyceln / recyceln, reparieren, eventuell ausleihen, tauschen oder gebraucht kaufen und dann erst neu anschaffen in der Ökovariante. Mir macht besonders das Zweckentfremden und Upcycling Spaß, weil ich dabei um die Ecke denken und meine sicheren Strukturen und Kategorien verlassen muss. Das macht meinen Geist flexibler. Wer sagt, dass man einen Waschlappen nur im Badezimmer zur Körperpflege benutzen darf? Oder dass eine Laterne kein Vogelfutterhäuschen sein kann? Das mag für viele Menschen vielleicht keine große Sache sein. Aber ich merke, dass ich früher doch recht unkreativ und verbohrt in solchen Dingen war und lieber etwas Neues kaufte, das genau für den gewünschten Zweck bestimmt war. Und wenn ich mir so das Kaufangebot anschaue, wird auch genau darauf abgezielt. Es gibt wirklich für alles irgendein Teil oder Gerät. Egal ob per Hand oder Strom betrieben. Es ist auch nicht schlimm, das zu benutzen. Ich mag es aber lieber einfach. Vieles ist so unnötig und überflüssig und kostet nur Geld, um die meiste Zeit seines Daseins irgendwo rumzustehen oder zu liegen. Und man kann so vieles selber machen ohne großen Aufwand.

 

Ein hartnäckiges Problem stellen für mich weiterhin Küchenrollen und Papiertaschentücher dar. Nicht nur, dass diese nach kurzem Gebrauch weggeworfen werden, sie sind außerdem in Plastik eingeschweißt. Zu Hause verwende ich seit Kurzem Stofftaschentücher. Unterwegs mag ich es nicht, wenn diese voluminösen Dinger meine Hosentaschen so unschön ausbeulen. Deshalb möchte ich, sobald die Wegwerftücher im Plastik aufgebraucht sind, zumindest auf welche aus dem Pappkarton umsteigen und mein ausgedientes Zigarettenetui aus Blech als Taschentuchspender benutzen für unterwegs. So hat das auch noch eine Aufgabe und muss nicht in den Müll. Aber die Küchenrolle aus unserem Haushalt zu verbannen, habe ich bisher nicht geschafft. Da klemmt der Schalter noch im Hirn. Ich versuche, weniger davon abzureißen, und frage mich, während ich die Hand nach der Rolle ausstrecke, ob ich nicht auch einfach den Waschlappen nehmen kann. Meistens lautet die Antwort darauf Ja.

 

Die schönste Küchendeko! Im Hintergrund zwei Metflaschen vom Mittelaltermarkt, die wir als Wasserkaraffen nutzen.
Die schönste Küchendeko! Im Hintergrund zwei Metflaschen vom Mittelaltermarkt, die wir als Wasserkaraffen nutzen.

Ein wichtiges Thema in der Küche ist die Aufbewahrung. Früher haben wir alles in Alu- und Frischhaltefolie eingewickelt. Bescheuert. Für unterwegs benutzen wir wieder Brotdosen. Damit muss man sich als Erwachsener nicht blöd vorkommen. Selbst dann nicht, wenn Kindermotive drauf sein sollten. Ich finde sowas ja witzig. Aber wir möchten von den damals angeschafften Plastikdosen weg und auf Edelstahl umsteigen. Die sind deutlich teurer, weshalb wir auch nur eine nach der anderen kaufen werden. Im Moment tun es die aus Kunststoff aber noch. Es macht keinen Sinn, seinen ganzen Plastikkram wegzuwerfen, weil das jetzt schlecht sein soll. Denn dadurch wird das Müllproblem nicht kleiner. Verschenken ist besser. Es sei denn natürlich, die Sachen sind kaputt. Ein paar Plastikaufbewahrungsdosen habe ich noch da, weil ich die lieber zum Einfrieren verwende, obwohl das auch im Glas gehen soll. Ich traue mich noch nicht. Ansonsten nutze ich gerne Gläser von Marmelade, Senf, Aufstrichen..., um meine Vorräte aufzubewahren. Dadurch sieht es in meiner Küche aber nach mehr öko aus, als es tatsächlich ist. Die Gewürze in den kleinen Gläschen zum Beispiel habe ich in Plastiktütchen kaufen müssen, weil ich sie lose nirgendwo finde. Oder den Reis. Den gab es mal unverpackt im Bioladen. Wegen Schädlingsbefall musste er aus dem Sortiment genommen werden. Letzte Woche erst habe ich erfahren, dass irgend so ein Amtshansel im gleichen Ökomarkt das freie Abfüllen von Olivenöl verboten hat. Die Mitarbeiter waren darüber genauso frustriert und enttäuscht wie ich. Soviel zum unverpackten Einkaufen. Soweit es mir aber möglich ist, tue ich das mit meinen Stofftaschen und Beuteln oder Papiertüten und packe zu Hause alles in Schraubgläser, Flaschen und Blechdosen. Letztere eignen sich besonders für Kräuter. Richtig toll ist es, wenn man seine eigenen Kräuter aus dem Garten trocknen und als Tee oder Gewürz verwenden kann. Die Papiertüten nutze ich für die Küchenabfälle, die auf dem Kompost landen, und das Katzenklo. Essensreste werden ebenfalls wie Vorräte in Gläser gefüllt oder in kleine Schüsseln und mit Untertasse bedeckt. Oder in die Käseglocke gestellt. Die ist nicht nur für Käse da. Mein selbstgemachtes Brot bewahre ich im Brotkasten in einem Leinenbeutel auf, in dem unsere Mittelalterkleider geliefert wurden. Man muss keinen Brotbeutel für 20€ kaufen, auf dem das Wort "Brot" draufgestickt oder gedruckt ist. Auch hier können alte Baumwolltextilien umfunktioniert werden. Von dem gesparten Geld kann man je nach Zutatenauswahl ca. 8 Brote backen.

 

Berufstätige sagen mir oft, dass sie keine Zeit dafür hätten, die Wäsche aufzuhängen oder von Hand zu spülen. Es kommt natürlich auf die Menge an. Trotzdem klingt das nach mehr Arbeit, als es tatsächlich ist. Ja, ich habe mehr Zeit, seit ich Zuhause bin. Ich bin aber keine passionierte Hausfrau, die ständig mit dem Lappen durch die Zimmer läuft und jeden Tag alles blitzeblank putzt. Deshalb versuche ich, den Haushalt so einfach und minimalistisch wie möglich und gleichzeitig umweltschonend zu gestalten. Wäsche aufhängen dauert 10 Minuten. Es gibt genügend Kleidungsstücke, die nicht für den Trockner geeignet sind und sowieso aufgehängt werden müssen. Immer vorausgesetzt, man hat die räumlichen Möglichkeiten dafür. Im Sommer kann man seine Kleidung draußen an der warmen Luft trocknen, was genauso kurz dauert wie im Trockner. Für den Winter haben wir das Glück, dass in unserer Waschküche auch die Heizungsanlage steht. Dadurch ist die Wäsche nach einem Tag bereit für den Schrank. Das Bügeln habe ich mir schon vor Jahren abgewöhnt. Ich sehe darin keinen Sinn. Eisen und Brett stehen zwar noch im Keller für alle Fälle, aber die Zeit habe ich schon mal eingespart und kann ins Spülen investiert werden, was um die 40 Minuten dauert. Alle zwei Tage. Eine Spülmaschine muss schließlich auch ein- und ausgeräumt, gereinigt und eventuell von Essensresten befreit werden. Den Teller vom Frühstück verwende ich mittags nochmal. Ich meine, es liegen nur Brotkrümel darauf. Mein Mann trinkt mehr Kaffee als ich, verwendet seine Tasse aber den ganzen Tag, anstatt jedesmal eine neue vom Regal zu nehmen. Dadurch brauchen wir weniger Tassen und haben weniger Spül. Ich verbringe nicht signifikant mehr Zeit mit dem Haushalt als früher. Ich habe jetzt höchstens die Gelegenheit, diese lästigen Aufgaben unter der Woche zu erledigen, während mein Mann arbeitet, so dass wir das Wochenende im Gegensatz zu früher frei haben. Dem Universum sei Dank, bin ich gesundheitlich wieder dazu in der Lage!

 

Und noch ein Tipp zum Schluss: Anstatt ein teures Achtsamkeitstraining zu besuchen (was ja auch Zeit kostet), um Stress, Hektik und daraus resultierendem Burnout entgegenzuwirken, könnte man zu Hause den Maschinen einfach mal frei geben und Hausarbeiten achtsam und meditativ per Hand erledigen. Oder kommt nach "Waldbaden" (japanisch Shinrin Yoku) jetzt "Slow Dishwashing"? Da reift eine Geschäftsidee...

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