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Grüner leben - Fast leere Badezimmerschränke

Auf diesem Foto ist alles, was ich im Badezimmer brauche.
Auf diesem Foto ist alles, was ich im Badezimmer brauche.

Ich gehöre nicht zu den Frauen, die ewig im Bad brauchen, weil sie sich stundenlang schminken und frisieren. Ich reagiere allergisch auf Make-Up jeglicher Art. Und meine langen Haare trage ich entweder offen oder zusammengebunden. Fertig. Und doch brauche ich heute noch viel weniger Zeit als früher. Weil ich festgestellt habe, dass der ganze Pflegekram, der in den Supermärkten in den Regalen steht, totaler Quatsch und mit äußerst fragwürdigen Inhaltsstoffen vollgestopft ist. Zunächst habe ich alle meine Produkte durch Naturkosmetik ausgetauscht. Aber auch das war mir irgendwann zu blöd. Schließlich wird auch Naturkosmetik größtenteils in Plastikflaschen abgefüllt. Und tatsächlich brauche ich gar nicht so viel. In meinen übervollen Schränken gammelten die Reste vor sich hin. Und die wenigen Utensilien meines Mannes sahen so traurig zwischen all dem bunten Überfluss aus.

 

Körperpflege ist etwas sehr Intimes, und jeder hat andere Ansprüche oder andere Bedürfnisse abhängig von Hautbild, Haarstruktur und Zahnbeschaffenheit. Was für den einen hervorragend funktioniert, endet für den anderen in einer mittleren Katastrophe. Ich habe mir mal die Haare mit Heilerde gewaschen. Das war - zumindest für mich - keine gute Idee, weshalb ich auch von Roggenmehl Abstand nehme, auf das so viele schwören. Wer sich gerne schminkt, wird natürlich mehr Zeug im Bad rumstehen haben und noch verzweifelter nach plastikfreien Alternativen suchen. Aber auch hier gilt: Perfektionismus ist ein schlechter Ratgeber.

 

Zahnpflege

Mein erster Versuch mit selbstgemachtem Zahnputzpulver vor ein paar Jahren war nicht so toll. Salz und Kieselerde taten meinem empfindlichen Zahnfleisch nicht gut. Deshalb funktionierte es auch mit reinem Natron nicht. Also probierte ich mich durch sämtliche Naturkosmetik-Zahnpasten, bis ich eine fand, die meine Zähne schonte und kaum schäumte. Denn das stört mich am meisten an Zahnpasta, dass man aussieht wie ein Fuchs mit Tollwut. Diesen aufquillenden Schaum im Mund empfinde ich einfach als eklig.

 

Die große Frage ob mit oder ohne Fluorid... Wir haben dieselbe Zahnpasta in beiden Ausführungen. Mein Mann hat erblich bedingt sehr schlechte Zähne und möchte nicht auf Fluorid verzichten. Dass das Zeug wirklich so giftig sein soll in der verschwindend geringen Menge, wie sie in Zahnpasta vorkommt, bezweifle ich. Schließlich ist Fluorid auch im Trinkwasser - und zwar in JEDEM Wasser - enthalten. Es gibt kein Wasser ohne Fluorid. Auch wenn es auf dem Etikett des Designerwässerchens nicht draufsteht. Dann ist die Menge wohl so winzig, dass sie nicht deklariert werden muss. Da die Dosis das Gift macht, bin ich sehr froh, dass unser Leitungswasser recht wenig Fluorid enthält. Dennoch finde ich die Panikmache um diesen Wirkstoff übertrieben.

 

Ich wollte es trotzdem nochmal mit Zahnpulver versuchen und kaufte eins im Bioladen, welches in einer Pappschachtel eingepackt war und von den Inhaltsstoffen her ganz gut klang. Leider war das Pulver dann doch in einer Plastikdose. Für den ersten Test jedoch für mich in Ordnung. Der Hauptbestandteil Schlämmkreide hat mich überzeugt. Xylit macht zur Kariesvorbeugung für mich auch Sinn. Also wollte ich mir die Zutaten einzeln besorgen und mir meine eigene Zahnkreide herstellen. Plastik ist nunmal unschlagbar, um als Verpackung trocken, frisch und sauber zu halten. Will sagen, die Schlämmkreide bekam ich nicht in Papier verpackt, so sehr ich auch danach gesucht habe. Das Plastiksichtfenster an dem Xylitpaket hätte ich jetzt auch nicht gebraucht. Immerhin habe ich nun insgesamt 1,5kg Pulver, mit dem ich die nächsten Jahrzehnte wohl auskommen sollte.

 

Im Internet kursieren viele Rezepte für Zahnputzpulver. Und sie sind bestimmt alle hilfreich. Was für einen selbst funktioniert, kann man nur ausprobieren. Meine Mischung besteht nun aus Schlämmkreide, Xylit, Kräuterpulver (Pfefferminze, Kamille, Salbei) und ein wenig Aktivkohlepulver - alles zusammen durch die elektrische Kaffeemühle gejagt. Natron nutze ich hier und da aufgelöst in ein wenig Wasser als Mundspülung. Zusammen mit der Bambuszahnbürste reicht mir das an Zahnpflege. Wer sich Sorgen macht, dass dies zu abrasiv sein sollte, dem möchte ich sagen, dass in bekannten Zahncremes Putzkörper aus Mikroplastik und andere bedenkliche Stoffe enthalten sind, die dem Zahnschmelz deutlich mehr schaden. Schlämmkreide, Heilerde und dergleichen remineralisieren ihn hingegen.

 

Was mein Zahnarzt zu meiner Zahnpflege meint, kann ich euch leider nicht sagen. Ich war ewig nicht zur Kontrolle. Schande über mich, ich weiß. Langsam wird es nochmal Zeit, den Zahnstein zu entfernen. Trotzdem ist es nach fast 10 Jahren außer mir niemandem sonst aufgefallen. Und ein paar Verfärbungen sind schon wieder zurückgegangen.

 

Ach so. Zahnseide. Habe ich immer noch seit x Jahren dieselbe Packung in der Plastikdose. Es gibt Alternativen im Glasröhrchen. Ich finde Zahnseide sehr unangenehm und verwende sie nur gelegentlich.

 

Zur Zeit werden Zahnputztabletten in Papiertütchen gehypt, die man seit Kurzem im Drogeriemarkt kaufen kann. Ich möchte mir die Zähne aber nicht mit Magnesiumstearaten und anderen Füllstoffen putzen, auch wenn CodeCheck die Tabs als unbedenklich einstuft.

 

Eine Seife für alles

Früher hatte ich ein Gesichtswaschgel und zwei verschiedene Duschgele. Heute verwende ich zum Saubermachen ein Stück Seife. Für den gesamten Körper. Ich hätte nie gedacht, dass ich in diesem Leben nochmal Seife benutzen würde. Meine letzte Erfahrung damit endete mit Ekzem. Es kommt eben auf die Seife an. Sie sollte bio, fair und pflanzlich sein. Am liebsten unverpackt. In meiner ist Palmöl drin. Die ohne ist in Plastik eingeschweißt. Eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera. Wie schlimm Palmöl wirklich ist, ob man es boykottieren sollte und ob Kokosöl der Heilsbringer ist, erklären euch diese interessanten Artikel:

WWF-Blog: Kein Palmöl ist auch keine Lösung...

Smarticular: Ist Kokosöl die bessere Alternative?

Greenpeace Magazin: Schwer zu ersetzen

 

Man kann also auch hier nicht die perfekte Entscheidung treffen. Fest steht, dass man mit einem Stück Seife sehr viel länger auskommt als mit Duschgel und so weiter, wo ebenfalls oft Palmöl drin steckt. Ich spare auf jeden Fall enorm viel Plastikmüll. Und ich brauche keine Bodylotion mehr, weil meine Haut nicht länger durch scharfe Tenside ausgetrocknet wird.

 

Haarwäsche

Seit wir umgezogen sind und härteres Wasser aus der Leitung beziehen, zickt meine Kopfhaut gerne mal rum. Das Heilerdendesaster möchte ich nicht wiederholen. Die Dusche sah aus, als käme ich vom Festival nach Hause. Also nicht von einem Festival, auf dem man Krönchen trägt. Ein anderes. Mit viel Schlamm. Mein Haar war danach stumpf und immer noch sandig trotz stundenlangen Ausspülens, was ich jetzt auch nicht so nachhaltig den Wasserverbrauch betreffend finde. Seife möchte ich für meine Haare lieber nicht verwenden, wegen der schmierigen Kalkseife, die als unangenehmer Rückstand bleibt. Ich mache zwar ab und zu eine saure Rinse mit Apfelessig, möchte das aber nicht immer müssen. Meine Haare finden das auf Dauer nicht so toll. Ein festes Shampoo wäre mit Sicherheit eine tolle Alternative. Der erste Versuch mit der Shampoobar aus dem Drogeriemarkt war tatsächlich sehr gut. Handhabung, Schaumbildung, Säuberung, Kopfhaut - alles prima. Nur meine Haare waren unglücklich. Da mein Mann seine langsam schwindende Pracht sehr kurz trägt, benutzt er nun das feste Shampoo. Und ich bleibe vorerst bei meinem flüssigen Naturkosmetik-Lavendel-Shampoo, welches immerhin in einer Halbliterflasche daherkommt, was ein wenig Verpackung spart. To be continued...

 

In die Haarspitzen gebe ich ein wenig Kokosöl, welches ja leider keine tolle Ökobilanz aufweist und auch nicht regional ist. Es ist aber nunmal das beste Pflegeöl, das ich bisher ausprobiert habe. Da ich mit 200ml ein Jahr auskomme, halte ich das für vertretbar.

 

Peeling

Dies wird ein kurzes Kapitel.

Kaffeesatz. Fertig. Oder Sisal-Seifensäckchen. Einfacher und umweltverträglicher geht's nicht.

 

Allgemeine Pflege

Mein Gesicht kommt leider nicht ohne Creme aus. Nach langem Herumprobieren bin ich letztendlich bei Sheabutter gelandet. Nein, die ist auch nicht regional, sondern stammt aus Afrika, wo die Sheanüsse wild gesammelt werden. Das Bio-Siegel wird also höchstens für die Verarbeitung vergeben aber nicht für den Anbau. Leider finde ich den Artikel nicht mehr, in dem geschrieben stand, dass Karitébäume nicht angebaut werden können und ein Fairtrade-Siegel deshalb wichtiger ist. Sicher kann aber beides nicht schaden. Was in Sheabutter alles drin ist und was sie kann, erklärt euch Utopia in diesem Artikel. Meine Sheabutter befindet sich in einem Plastiktiegel, was ich doof finde. Aber auch damit komme ich ein ganzes Jahr aus.

 

Sheabutter gilt als nicht komedogen (porenverstopfend) im Gegensatz zum Kokosöl, weshalb letzteres für mein Gesicht nicht so gut war. Außerdem ist Sheabutter tiefenwirksamer und bei sehr trockener Haut die bessere Wahl. Im Winter nutze ich deshalb lieber Sheabutter, während ich im Sommer auch gerne auf das Kokosöl als Bodylotion zurückgreife. Jedoch brauche ich das nur nach dem Beine Rasieren zur Hautberuhigung und nach oder vor einem Sonnenbad. Ja, Kokosöl bietet 8% Sonnenschutz. Ein ausgiebiges Sonnenbad ist damit natürlich nicht drin.

 

Rasur

Rasieren ist kein Muss. Großartig, wer ohne auskommt. Ich fühle mich wohler mit glatten Beinen im Sommer, zumal ich leider sehr gesegnet bin mit Körperbehaarung. Und auch unter den Achseln geh ich lieber nackig. Die Nutzung von Einwegrasierern habe ich noch nie verstanden. Es gibt genügend Möglichkeiten mit Wechselklingen. Nur eben leider alle aus Plastik und mit fragwürdigen Gelkissen oder Feuchtigkeitsstreifen. Und teuer ist das Zeug!

 

Die Alternative lautet Rasierhobel. Ich habe zwei Anläufe gebraucht, bis ich mich mit dem Teil angefreundet habe. Die Lösung: man muss HOBELN, wie der Name ja auch sagt. D.h. man kann einen Rasierhobel nicht wie die üblichen Plastikrasierer in einem Rutsch über das Bein ziehen. Es braucht etwas mehr Zeit und Konzentration und anfangs Übung. Aber dann wird es zur Routine und ist genauso einfach. Kein Schneiden, kein Hautbrennen. Ich benutze übrigens keine Rasierseife dabei sondern nur Wasser. Die Erstanschaffung geht etwas mehr ins Geld. Mein Rasierhobel hat um die 30€ gekostet. Allerdings werde ich den für den Rest meines Lebens haben. Und die Wechselklingen aus Metall im Pappschächtelchen kosten dreimal nix.

 

Antimüffelstoff

Auch bekannt als Deo. Wie ich hier schon einmal in einem anderen Artikel schrieb, benutze ich keins mehr. Es gibt auch hierfür viele Rezepte im Netz zum Selbermachen aus Kokosöl, Natron, Speisestärke... Ich habe für mich festgestellt, dass es keinen Unterscheide macht, ob ich Deo benutze oder nicht. Ich schwitze selbst mit einem Antitranspirant und hatte oft den Eindruck, dass Deodorants meine Schweißdrüsen eher zur Produktion anregen. Frischer Schweiß riecht kaum. Die Ernährung hat natürlich einen Einfluss darauf ebenso wie der Hormonspiegel. Und Kleidung aus Kunstfaser. In meinen Sweatshirts, die 15% Polyester enthalten, stinke ich sofort. Also eigentlich stinken die Pullover, nicht ich. Das ändert für meinen Nebenmann leider nichts. Besagte Sweatshirts trage ich jedoch nur im Stall, und da stinkt jeder nach allem möglichen.

 

Bis jetzt komme ich ohne Deo gut zurecht. Vielleicht ändert sich das irgendwann. Dann würde ich eine Deocreme ausprobieren.

 

Müllfreie Monatshygiene

Waschbare Slipeinlagen für leichte Blutung plus Menstruationstasse oder freie Menstruation. Bester Umstieg ever! Darüber habe ich auch schonmal geschrieben, weshalb ich das nicht wiederholen möchte.

4 Kosmetiklügen - Alles sauber oder was?

 

Aussortiert

Ersatzlos gestrichen habe ich in unserem Badezimmerschrank Gesichtswasser, getönte Tagescreme, ungetönte Tagescreme, Reinigungsmilch, Wegwerf-Wattepads, Gesichtspeeling, Duschpeeling, Conditioner, Haarspitzenfluid, Bodylotion in zehnfacher Ausführung, Reste an dekorativer Kosmetik, weil ich dachte, als Frau muss ich doch wenigstens wasserfeste Mascara benutzen, inklusive Make-Up Entferner (soll auch einfach mit Öl und Seife möglich sein), Gesichtsmasken, Haarmasken, Feuchtigkeitsspray für die Haare, Handcreme, Fußcreme, Fußpeeling, Lippenbalsam, Augenserum (Kokosöl und Sheabutter haben auch Anti-Aging-Effekt, falls der überhaupt existiert), Antifett-Gesichtsserum, Tampons, Slipeinlagen, Binden. Ich glaube, das war's. Viel unnötiger Blödsinn, der seine Versprechen nicht hält, Müll verursacht und ein Loch in die Kasse reißt. Wir haben jetzt so viel Platz in den Badezimmerschränken, dass wir ein Regal schon woanders hinstellen konnten und eigentlich nur noch Handtücher, Waschlappen, Putzzeug und ein paar Medikamente drin sind. 

 

 

Es lohnt sich, sein Bad auszumisten und auf natürliche Mittel oder zumindest Naturkosmetik umzusteigen. Man tut damit seinem Körper, Haut und Haaren einen großen Gefallen. Auf Reisen wird es deutlich einfacher. Und das Portemonnaie freut sich auch, wenn man aus der Drogerie nur noch mit 3 Artikeln rausspaziert statt mit 15. Manche Menschen finden es befremdlich oder eklig, "sich mit Lebensmitteln einzucremen". Wer aber schonmal auf einer Grillparty in ein Stück Baguette mit Nivea-Handcreme-Geschmack reingebissen hat, versteht vielleicht, dass es mir sehr viel lieber ist, mich mit Mitteln zu pflegen, die ich auch essen könnte. Zumindest, was Sheabutter und Kokosöl betrifft. Denn das ganze Zeug gelangt ja trotzdem in den Körper, wenn auch nicht über den Verdauungstrakt und an den Geschmacksnerven vorbei.

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