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Paléo olé! Ernährungsweisen und Nahrungsergänzungsmittel

Bild: Pixabay
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Eines Tages werde ich noch bekloppt. Wenn man mit chronischen Krankheiten zu tun hat wie in meinem Fall mit Hashimoto und Dhysthymie, stolpert man früher oder später über empfohlene Diätpläne und Mineralstofftheorien. Und natürlich widersprechen sie sich alle, weil nichts von alledem wissenschaftlich belegt ist. Die einfache Lösung wäre deshalb, sich einen Dreck darum zu scheren und weiterzumachen wie bisher. Gerade aber bei körperlichen Symptomen, die teilweise die Lebensqualität einschränken, erhofft man sich jedoch durch das Herumschrauben an den eigenen Essgewohnheiten die eine oder andere Besserung.

Ausgehend von meinen Erkrankungen Hashimoto (Autoimmunerkrankung der Schilddrüse), Depressionen, Ängste, allergisches Asthma (Staub, Katzen- und Pferdehaare, gewisse Pollen) und gelegentlichen Symptomen wie Ekzem, Verdauungsstörungen und Candidapilzinfektion informiere ich mich immer wieder mal über Möglichkeiten abseits der schulmedizinischen Medikamente. Denn diese unterdrücken nur die Symptome, was natürlich zeitweise nötig sein kann. Ich finde die Schulmedizin wichtig und nützlich, habe aber leider auch oft unangenehme oder zumindest nicht hilfreiche Erfahrungen damit gemacht. Zu häufige Antibiotikatherapien machten meinen Darm kaputt, was Pilzinfektionen begünstigte. Mein Immunsystem war platt, was weiteren Infektionen Haus und Hof öffnete. Meine Leber war überlastet, die Haut spielte verrückt, allergische Beschwerden nahmen zu. Cortison in Form von Asthmasprays und Salben gegen das Ekzem wurden verschrieben, verursachten jedoch nur noch mehr Hautprobleme und keine langfristige Besserung. Die Blutkontrollen wegen Hashimoto beschränkten sich auf die Schilddrüsenwerte, beachteten aber nicht mein Allgemeinwohlbefinden. "Ihre Werte sind gut." - "Mir gehts aber schlecht." - "..."
Wenn es unbedingt sein muss, nehme ich Antibiotika. Mit verschleppten bakteriellen Entzündungen ist nicht zu spaßen. Allerdings muss ich danach meinen Darm aufpäppeln, sonst entsteht ein Teufelskreis.

Der Darm ist der Sitz des Immunsystems. Er verwertet die Nahrung, weshalb es nicht egal ist, was wir uns einverleiben. Ist der Darm geschädigt, was sich z.B. durch das Reizdarmsyndrom und andere Verdauungsstörungen äußern kann, kommt der gesamte Organismus durcheinander. Soweit die stark vereinfachte Erklärung. Bei Autoimmunkrankheiten des Darms wird es natürlich deutlich komplizierter. Da ich damit keine Erfahrung habe, lasse ich dieses Thema aus.

Wenn nun also der Darm so wichtig für unsere allgemeine Gesundheit ist, macht es natürlich Sinn, sich Gedanken um die Ernährung zu machen. Und damit geht der Unsinn auch schon los. Omnivoren, Vegetarier, Veganer, Paleo, Paleoveganer, Clean Eating, glutenfreie Ernährung, zuckerfreie Ernährung, Blutgruppen-Diät, Low Carb, High Carb, böse Anti-Nährstoffe wie Lektine und Phytinsäure... Ich werd bekloppt. Die einen schimpfen über die anderen, Geheilte teilen ihre Erfahrungsberichte, Groupies huldigen Gurus. Am Ende weiß man nicht mehr, was man noch essen soll. Denn außerdem enthält das Gemüse angeblich nicht mehr so viele Nährstoffe wie früher, und ein kaputter Darm kann die sowieso nicht aufnehmen, deshalb muss man supplementieren. Eisen nimmt der Körper nur mit Vitamin C auf, Vitamin D3 nur in Kombination mit K2, was außerdem den Magnesiumbefarf erhöht...

Meine ganz persönliche Lösung lautet: Auf den eigenen Körper hören! Nicht auf irgendwelche Gurus. Auch nicht auf mich, nur weil ich mit manchen Dingen gute Erfahrungen gemacht habe. Das kann als Anregung hilfreich sein, etwas auszuprobieren, um zu sehen, ob es hilft. Aber niemand hat die absolute Wahrheit in Sachen Ernährung gefunden. Weil es sie nicht gibt. Weil jede Krankheitsgeschichte individuell ist. Ich selbst bin das beste Beispiel für untypische Verläufe. Mir helfen verallgemeinerte Empfehlungen nicht. Ich kann nur Detektivarbeit leisten und testen, was mir gut tut und was nicht.

In einem Punkt sind sich wenigstens alle einig: Stress macht krank. Sogar sehr krank. Stress ist tödlich. Bei lang anhaltendem Stress setzt der Körper entzündungsfördernde Stoffe frei, die Allergien, Autoimmunkrankheiten und andere Beschwerden begünstigen. Es ärgert mich zwar immer wieder, wenn Ärzte nicht mehr weiter wissen und deshalb Stress als Grund vorschieben, aber letzten Endes haben sie recht, auch wenn man trotzdem weiter nachforschen sollte. Bei dem Ratschlag "Reduzieren Sie Stress!" könnte ich mich allerdings schon wieder aufregen. Genauso, wie wenn jemand sagt: "Hashimoto ist hausgemacht."

Meine Krankheitsgeschichte

Die Ursachen von Hashimoto sind bislang nicht geklärt. Hormonelle Veränderung, starker psychischer Stress, Überjodierung und Umwelteinflüsse sind die am häufigsten genannten. Ich könnte mir vorstellen, dass bei mir die Anhäufung von Mikrotraumata (langanhaltender Stress) zu einer Schwächung meines Immunsystems führten sowie diverse schulmedizinische Nullnummern wie zu viel Antibiotika, Bombardierung des kindlichen Körpers mit Nahrungsergänzungsmitteln (u.a. Jod)... Als ich dann in die Pubertät kam und sich mein Hormonhaushalt veränderte, entstand die Autoimmunkrankheit. Die Diagnose Hashimoto erhielt ich zwar erst mit 20, Symptome hatte ich aber schon lange vorher. Was davon habe ich jetzt hausgemacht?

Nach jahrelanger Husterei als Kind fing mit 18 das Asthma an. Nicht schlimm aber nervig. Ekzem hatte ich schon als Kleinkind hinter den Ohren, später im Gesicht, im Moment ganz besonders schön am Po. Die erste Pilzinfektion hatte ich, glaube ich, mit 17. Die wurde natürlich mit Antibiotika behandelt, um die bösen Bakterien zu töten, was aber auch die guten Bakterien tötet, so dass die bösen sich weiter vermehren können. Mit Mitte 20 nach ewigem Kampf gegen den Pilz, das Ekzem und der Bronchitis bekam ich Hautausschlag am ganzen Oberkörper. "Das Milieu Ihrer Haut ist durch die Antibiotika gestört. Ich verschreibe Ihnen ein Antibiotikum." HÄ???? Da wurde mir klar: Wenn ich mich nur auf Ärzte verlasse und nicht selber mitdenke, geht irgendwann gar nichts mehr.

Mit dem beruflichen Stress und der nicht bearbeiteten psychischen Belastung brach dann mit Anfang 30 endgültig die Depression durch, die schon im Jugendalter begonnen hatte. Da Depressionen auch ein Symptom von Hashimoto sind, stellt sich hier die Frage nach dem Huhn und dem Ei. Aufgrund meiner Biografie weiß ich aber, dass es nicht nur ein Hashimotosymptom ist. Natürlich hängen Körper und Psyche eng zusammen und sollten deshalb meiner Meinung nach immer gemeinsam betrachtet und behandelt werden.

Darmsanierung

Nachdem ich jahrelang morgendlichen Durchfall hatte, riet mir meine Therapeutin zur Darmsanierung. Nahrungsergänzungsmittel (und wahrscheinlich auch das Thyroxin für die Schilddrüse) rutschten einfach durch mich hindurch. All meine Symptome steigerten sich langsam von Jahr zu Jahr, oder wechselten sich mit neuen Symptomen ab. Darmsanierung klingt kompliziert. Man kann es auch kompliziert machen, muss man aber nicht. Ich habe ein Pulver, das probiotische Bakterien enthielt, in Bio-Apfelsaft aufgelöst, zwei Tage stehen lassen zum Gären und anschließend fünf Tage hintereinander ein Glas am Tag davon getrunken. Das habe ich drei Monate lang gemacht. Danach hörte der morgendliche Durchfall auf. Jetzt mache ich diese Kur nur noch gelegentlich.

Meine Ernährung

Zusätzlich fing ich an, mir Gedanken um meine Ernährung zu machen. Mir fiel auf, dass es mir mit manchen Lebensmitteln schlecht ging. Mit Anfang 20 hatte ich bereits ein Jahr lang vegetarisch gelebt und mich damit sehr gut gefühlt. Die Ernährung in meinem Elternhaus war nämlich sehr fleischlastig gewesen. Ich hatte so viel Bauchschmerzen und Verstopfung als Kind, aber niemand ist auf die Idee gekommen, die Ernährung zu verändern. Mit Kennenlernen meines Mannes fing ich wieder an, Fleisch zu essen. Vor drei Jahren beschloss mein Mann plötzlich, auf Fleisch zu verzichten, was ich sehr begrüßte. (Es ist einfach nervig, zwei verschiedene Gerichte kochen zu müssen. Ja, ist sicher möglich, aber ich bin dafür zu bequem.) Zudem fiel mir auf, dass mich Milchprodukte verschleimten, was für mein Asthma blöd war. Also esse ich nur ganz wenig Hartkäse. Von Sauerteig bekomme ich um Punkt 5 Uhr Bauchkrämpfe, egal wann ich das gegessen habe. Und mir juckt der Kopf. Also backe ich mein Dinkelvollkornbrot selber. Von Eiern bekomme ich mittlerweile Magenschmerzen, was ich sehr schade finde. Verarbeitet sind sie kein Problem aber als Rühr- oder Frühstücksei.

Das heißt, ich bin jetzt fast Veganerin. Ja, diese total ungesunde Mangelernährungsweise, wie Gegner behaupten. Das ist absoluter Quatsch, man muss sich aber schon damit beschäftigen, sonst kann man es echt falsch machen. Außerdem esse ich ab und zu Fisch, d.h. ich darf mich eigentlich nicht mal Vegetarierin schimpfen. Is mir auch Wurscht, ich esse, womit ich mich wohl fühle. Meiner Verdauung geht es damit hervorragend.

Solange ich Muskeln ansetze bei der Stallarbeit im Winter, mache ich mir auch keine Gedanken um eine ausreichende Proteinzufuhr oder ob der menschliche Körper tierische Eiweiße besser verwerten kann als pflanzliche. Bei Autoimmunerkrankungen wird eher zur Paleo-Ernährung geraten, die auf Gluten verzichtet und auf tierische Eiweiße und Fette setzt. Denn das Gluten schädigt den Darm und verursacht angeblich Hashimoto und Co. Vielleicht ist das bei manchen so. Wie gesagt, muss man ausprobieren. Bei dem Paleo-Menüplan mit Speck und Ei zum Frühstück, Lachs und Salat zum Mittag und abends nochmal Fleisch und Gemüse würde ich s-t-e-r-b-e-n!

Ich habe festgestellt, dass ich mich aus Versehen an die Blutgruppendiät halte. Mit Blutgruppe A verwertet der Körper tierisches Protein und Fett schlecht. Als Sport werden ruhige Bewegungen wie Yoga empfohlen. Das ist genau das, was ich jetzt alles mache, und es tut mir sehr gut. Keine Ahnung, ob da was dran ist. Für mich funktioniert es so. Jedenfalls kann es nicht sein, dass eine bestimmte Ernährungsweise für alle gleich gut sein soll. Was aber bestimmt sinnvoll ist, ist der Verzehr von frischen, unverarbeiteten Lebensmitteln und eine Reduzierung von Zucker.

Nahrungsergänzungsmittel

Da ich kein Fleisch esse und nur ab und zu Fisch, nehme ich Vitamin B12. Über D3 habe ich unter dem Label Frühlingsdepression schon berichtet. Im Moment nehme ich es zusammen mit K2
wie empfohlen.

Eigentlich wollte ich nie wieder Pillen schlucken. Gesundes Essen muss doch reichen! Wenn man aber eine Autoimmunkrankheit hat und zusätzlich Psychokram, braucht der Körper von manchem eben mehr. Soviel kann ich leider nicht essen. Also nehme ich noch Magnesium in Form von Glycinat und Malat (besser verträglich) wegen der hashimoto-bedingten Muskelverspannungen und der Schlafstörungen (hilft!), hier und da ein Eisen-VitC-Präparat, weil der Körper bei Entzündungsprozessen mehr Eisen verbraucht, und neuerdings Zink. Auf Twitter schrieb nämlich jemand, dass Psychos mehr davon brauchen. Deshalb informierte ich mich, weil ich bis dahin nie an Zink gedacht hatte. Tatsächlich ist dieses Element an so vielen Prozessen im Körper beteiligt, dass ich kurzerhand dachte: Jo, dann nehm ich das halt auch noch. Es ist nämlich nicht nur wichtig für Haare, Nägel und Haut sondern auch für Schleimhäute (z.B. Bronchien und Darm) und das Immunsystem. Außerdem soll es die Stimmung heben. Naja, die ist bei mir eh instabil. Aber mein Asthma ist besser! Sehr viel besser! In letzter Zeit wache ich immer häufiger morgens auf und denke: Hey, ich hab den Spray gar nicht gebraucht.

Und für das Ekzem wird es auch gut sein. Eine Zinksalbe hatte es komischerweise verschlimmert. Zumindest war das mein Eindruck. Da es ein Kontaktekzem zu sein scheint, habe ich sämtliche Störenfriede wie zu hartes Klopapier und Waschpulver mit Bleiche eleminiert. Und ich reibe Kokosöl drauf. Ganz blödes, einfaches Bio-Kokosöl. Es ist fast weg. Nach einer Woche. Wäre ich zum Arzt gegangen, hätte ich wieder Cortisonsalbe bekommen.


Unterm Strich kann ich sagen, dass es mir körperlich deutlich besser geht als früher. Ich bin viel weniger krank, auch wenn mich im Moment eine fette Erkältung plagt. Der fiese Eiswind letzte Woche ging einfach durch die Mütze durch. Davor hatte ich eine mysteriöse Blasenentzündung, für die ich nach langer Zeit nochmal Antibiotika genommen habe. Am Ende stellte sich heraus, dass keine Bakterien vorhanden waren. Toll. Vielleicht hätte ich mich sonst nicht erkältet. Der Frühling naht. Und wir werden in diesem Leben keine Freunde mehr, der Frühling und ich. Bis jetzt hält die Schilddrüse aber die Füße still. Wann ich die letzte Bronchitis hatte, kann ich jedenfalls nicht sagen.

Eine Pilzinfektion hatte ich übrigens nicht mehr, seit ich keine Wegwerfhygieneartikel wie Tampons und Slipeinlagen mehr verwende. Ich kann gar nicht mehr verstehen, wie ich dieses chemisch gebleichte Zeugs mal hygienisch finden konnte.

Habe ich jemals einen so langen Artikel geschrieben? Ich hoffe, ihr seid noch nicht eingeschlafen! Es gibt einfach so viel über dieses Thema zu sagen. Und am Ende kann ich euch nur eines ans Herz legen: Lasst euch nix erzählen! Lasst euch nicht verrückt machen! Probiert selbst aus, was euch hilft und gut tut. Ihr selbst seid die Experten.

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