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4 Kosmetiklügen - Alles sauber oder was?

Foto: Yvonne Reip
Foto: Yvonne Reip

Anfang dieses Jahres hatte ich mir ja überlegt, ab und zu mal über andere Themen zu schreiben. Wer jetzt hier einen fancy Kosmetik-Blogartikel erwartet, den muss ich allerdings enttäuschen. Auch wenn es sich dabei um ein äußerst erfolgreiches und lukratives Konzept handelt. Es passt halt nicht zu meiner Persönlichkeit.

 

Nein, mir sind nur ein paar Dinge Kosmetik und Hygiene betreffend aufgefallen, die ich an dieser Stelle gerne teilen möchte. Im weitesten Sinne haben sie sogar etwas mit der Psyche zu tun. Sich im eigenen Körper und seiner Haut wohlzufühlen und seinem Körper zu vertrauen, ist wichtig für die psychische Gesundheit. Und es sind nicht zuletzt Hochglanzmagazine, Werbung und ein sich stetig weiterentwickelndes und vergrößerndes Angebot an Kosmetikprodukten, die uns über unseren Körper in die Irre führen und uns Dinge einreden, die einfach nicht stimmen. Von den Versprechen ganz zu schweigen. Wer kennt sie nicht, die Suche nach dem "heiligen Gral", der Gesichtscrème oder Haarpflegeserie, die endlich alles gut werden lässt?

 

Im Zuge meiner Arbeitsunfähigkeit und dem dadurch verkleinerten Budget sowie dem Gedanken, nachhaltiger und umweltfreundlicher zu leben, begann ich, meinen Badezimmerschrank aufzuräumen und immer mehr Produkte ersatzlos von meiner Liste zu streichen. Die Wirkung einiger Tuben frustrierte mich ohnehin so sehr, dass ich langsam deren Notwendigkeit anzweifelte.

 

 

Kosmetiklüge Nummer 1: Die unreine Mischhaut

 

Jahrelang habe ich mein Gesicht traktiert mit Wässerchen, Peelings, Waschzeugs und Crèmes in dem Glauben, ich hätte eine unreine Mischhaut. Die typische fettige T-Zone und trockene Wangen. Kein Gesichtswasser konnte mich zufriedenstellen. Ich hatte morgens immer dieselbe Ölschicht auf der Stirn. Auch Masken aus Tonerde oder sonstwas hielten ihre Versprechen nicht. Dabei hatte ich sicherlich nicht zu früh mit "Gesichtspflege" begonnen in meiner Teenie-Zeit. Hätten mir der Hormonumschwung und Psychostress keine Hautprobleme beschert, wäre ich möglicherweise bei Wasser und Seife geblieben. Natürlich verändert sich die Haut mit der Pubertät. Und ja, irgendwie scheint die Haut im Gesicht anders zu sein als die des restlichen Körpers, obwohl mir das nicht logisch erscheint. So ist jedenfalls meine Erfahrung. Egal, was meiner Haut gut tut, mein Gesicht will was anderes. Oder diese Reaktion ist ebenfalls ein Resultat von Überpflegung. Denn man kann sich kaputt pflegen. Waschlotion, Gesichtswasser, Serum, darüber die Tagespflege und dann eventuell noch dekorative Kosmetik... Wieviele Schichten sind das insgesamt? Und abends alles wieder runter mit Reinigungsmilch etc. Nachtpflege habe ich nie benutzt, gehört ja aber auch oft zum Programm. Für die Gesichtspflege kann man schon ein kleines Vermögen ausgeben. Und selbst wenn man auf günstige Hausmarken zurückgreift, sammelt sich ein nettes Sümmchen zusammen. Und mit welchem Ergebnis? Hatte ich schönere Haut? Sah ich besser aus? Konnte ich mich glücklicher im Spiegel betrachten? Anfangs nach der Entdeckung eines neuen Produkts vielleicht für ein paar Wochen. Aber die Begeisterung ließ immer schnell nach, und dann musste wieder was Neues ausprobiert werden. Ich war müde.

 

Eines Tages ließ ich den ganzen Quatsch weg. Ich benutzte nur noch Wasser, eine gute rückfettende Bio-Pflanzenseife und eine naturkosmetische Babygesichtscrème für "zarte Haut". Nach ungefähr 4 Tagen Rebellion (oder eher Entgiftung) meiner Haut stellte ich fest, dass ich gar keine unreine Mischhaut habe. Die hatte ich mir angezüchtet. Meine Haut war eher zu trocken. Die ganzen Mittelchen hatten sie nur noch mehr ausgetrocknet, weil ja die bösen Unreinheiten weg sollten, so dass mein Gesicht immer hektisch nachfetten musste. Dadurch entstand dieser Überschuss, der die Poren verstopfte.

 

Ich bin nicht völlig von Unreinheiten befreit. Mein Körper spült eben gern Gifte über die Haut aus. Egal ob von Medikamenten oder Stress. Damit muss ich leben. Aber es ist deutlich besser geworden. Aus der "unreinen Mischhaut" wurde "zarte Haut" - eben genau das, was auf den Tuben geschrieben steht. Und ich frage mich mittlerweile, ob da Suggestion im Spiel ist. Nur so ein Gedanke.

 

 

Kosmetiklüge Nummer 2: Splissanfälliges Haar

 

Denn bei meiner Haarpflege fiel mir dasselbe auf. Ewigkeiten hatte ich Pflegeserien für brüchiges und splissanfälliges Haar gekauft - und erntete genau das. Obwohl die Aufschrift der Flaschen bis zu 95% weniger Spliss versprach. Bullshit. Noch größerer Bullshit: Repair Produkte. Kaputtes Haar kann man nicht reparieren, man kann es nur abschneiden. Und anschließend Schäden vorbeugen. Mein Schrank war voll mit verschiedenen Shampoos und dazugehörigem Conditioner, Feuchtigkeitssprays, Spitzenfluids, Haaröl und Masken. Selbst Silikonfreie Produkte halfen nicht. Denn jedes Haarspitzenzeugs enthält hauptsächlich Silikonöle. Auch wenn fett Arganöl draufsteht. Davon ist höchstens ein Tropfen enthalten, wenn es als letztes auf der Inhaltsliste steht.

 

Ich wechselte zu einem milden Naturkosmetikshampoo für "normales Haar" im mittleren Preissegment und nutzte natives Kokosöl als Spitzenpflege (hält Feuchtigkeit im Haar). Siehe da - kaum noch Spliss. Mein Haar ist weder extra-brüchig, noch trocken oder schnell fettend. Es ist völlig normal. Denn es wird nicht mehr durch scharfe Tenside (Waschsubstanzen) ausgelaugt. DAS hat es brüchig werden lassen. Silikon klebt die Haarspitzen nur zusammen. Repariert wird da nix.

 

 

Kosmetiklüge Nummer 3: Ohne Deo schwitzt und stinkt der Mensch

 

Jetzt werden vermutlich einige "IIIeeehhh!!!!" schreien: Seit ein paar Wochen benutze ich gar kein Deo mehr. Lange Zeit habe ich auf eine bestimmte Marke geschworen, die jetzt aber auch nicht so antitranspirant wirkte, wie draufstand. Da ich auf aluminiumfrei umsteigen wollte, probierte ich verschiedene Alternativen aus. Mit furchtbarsten Ergebnissen. Schlussendlich fand ich ein gutes und preiswertes Produkt einer Hausmarke. Dennoch war ich nicht zu 100% zufrieden. Wie so oft. Die übertriebene Schwitzerei schob ich zunächst auf meine Schilddrüsenkirmes. Aber es irritierte mich auch ein wenig. Als würde ein Deo das Schwitzen provozieren. Kurzerhand ließ ich das Zeug also weg. Ende. Kaum noch Schwitzen und der Clou - ich stinke deutlich weniger. Also eigentlich selten. Es hängt davon ab, wo ich in meinem Zyklus stehe, ist also hormonbedingt. Oder wenn ich krank werde, dann rieche ich auch anders.

 

Habe ich durch körperliche Anstrengung oder Hitze mehr geschwitzt, mache ich mich eben kurz frisch mit Wasser und Seife. Denn tatsächlich wirkt gegen Gestank eins noch immer am besten: waschen statt 48h - Deo. Klar, unterwegs geht das nicht. Aber ganz ehrlich, frischer Schweiß riecht nicht. Und selbst (ups, Markenname getippt) dieses ultrastarke Deo, mit dem man angeblich schweißegal machen kann, hat bei mir versagt. Als wollte mein Körper sagen: Ich lasse mir die Temperaturregulierung nicht verbieten! Ich fühle mich ohne Zeug unter den Armen viel wohler. Es klebt auch nicht mehr so eklig. Übrigens hängt der Geruch auch vom getragenen Textil ab. Kunstfaser lässt einen erbärmlich stinken. Hallo, Iltis!

 

 

Kosmetiklüge Nummer 4: Monatshygiene oder Frauen stinken

 

Ich entschuldige mich im Vorfeld, dass ich nun über das verhasste Thema "Menstruationstasse" schreibe. Und über das (warum auch immer) Tabuthema "Monatsblutung und Intimhygiene". Ich versuche, mich so kurz wie möglich zu fassen. Also:

 

Mädels, wir stinken da unten gar nicht! Es ist einfach nicht wahr! Ich konnte es selbst kaum glauben. Wie konnte ich die ganzen Wegwerfhygieneartikel wie Tampons, Binden und Slipeinlagen jemals hygienisch finden? Oder praktisch? Peinlichen, stinkenden Müll hinterlassen auf fremden Toiletten? Nein, danke! Nie wieder!

 

Ich hätte nie gedacht, dass ich mal waschbare Binden verwenden würde. Ich dachte immer, das sei total eklig und rückständig. Seit ich weiß, was in Tampons & Co alles drin ist und wie es im Körper wirkt, kann ich das nicht mehr nachvollziehen. Alles andere als hygienisch! Dasselbe gilt für Slipeinlagen und Nachtbinden. Seit ich das alles nicht mehr benutze, habe ich keine Infektion mehr gehabt. Die Intimwaschlotion, die mir meine Gynäkologin empfohlen hatte, brauche ich nicht mehr. "Es juckt ja manchmal etwas, wenn man seine Tage hat", hatte die freundliche Apothekerin mir gesagt. Warum das so ist, hatte sie mir nicht gesagt.

 

Noch besser als die Menstruationstasse finde ich die sogenannte freie Menstruation, obwohl ich sie eher kontrollierte Menstruation nennen würde, weil ich es ja nicht einfach laufen lasse. Klingt ein bisschen so für mich. Das bedeutet nämlich, dass ich dafür genauso aufs Klo gehe, wie für alle anderen Ausscheidungen auch. Hygienischer gehts nicht. Denn tatsächlich blutet man nicht durchgehend. Das geht nach und nach. Die Tasse nutze ich nur noch in der ersten Nacht und wenn ich die ersten zwei Tage meiner Periode länger unterwegs bin. Es bedarf ein wenig der Übung, aber so schwer ist es gar nicht. Man lernt, besser auf seinen Körper zu hören. Und man muss sich dafür absolut nicht Blut ins Gesicht schmieren fürs Instagram-Selfie. Das ist kein Kult. Man tritt auch keiner Sekte bei. Man tut höchstens sich, seinem Körper und der Umwelt einen Riesengefallen. Und das sagt eine Frau, die sich niemals hatte vorstellen können, keine Tampons mehr zu benutzen. Und Binden auf 60° zu waschen (da landet kaum was drin, trage ich nur zur Sicherheit).

 

Die Erkenntnis, dass nicht ich selbst so stinke, hat meinen Bezug zu meiner Weiblichkeit positiv verändert. Hört sich jetzt vielleicht komisch an. Aber blutende Frauen sind auch ohne Bibel in den Köpfen vieler Menschen immer noch "unrein". Selbst einige Frauen ekeln sich davor und wollen nicht damit in Berührung kommen. Im wahrsten des Wortes (Tamponapplikatoren). Es geht mir wirklich nicht darum, nackig mit blutverschmierten Schenkeln im Mondschein zu tanzen... Aber mein Körper... mein weiblicher Körper... stinkt nicht! Er ist nicht unrein! Und ich muss nicht alles zustopfen und parfürmieren, weil mir das peinlich ist. In Social-Media-Kommentaren zum Thema Menstruationstasse habe ich von vielen Frauen gelesen, dass sie glauben, dass frau ohne Wattepfropf noch mehr stinken würde. Ist das nicht traurig?

 

 

Was kriegt man nicht alles für einen Blödsinn eingeredet! Natürlich muss jede*r für sich entscheiden und ausprobieren, wie es für ihn oder sie am angenehmsten ist. Manche sagen, dass die Ernährung eine Rolle dabei spielt, wie man riecht und wie die Haut aussieht. Mag sein, aber ich kenne auch genug Leute, die sich recht ungesund ernähren und trotzdem keine Pickel haben. Ist für mich Veranlagung. Jedenfalls ist das meiste an Kosmetikartikeln und Hygieneprodukten in meinen Augen nicht nur völlig überflüssig, sondern schadet unserem Körper mehr, als dass es fortschrittlich und dienlich wäre. Das heißt dafür nicht, dass man nun ungepflegt durchs Leben geht und seine Mitmenschen mit seinem Körpergeruch belästigt. Irgendwie denken die Menschen gerne in Extremen.

 

Ich gebe heute deutlich weniger Geld für den ganzen Kram aus als früher und fühle mich wohler in meiner Haut. Weniger Müll produziere ich auch. Und ich vertraue meinem Körper mehr. Soviel Unterstützung von außen braucht der gar nicht. Man stört ihn nur in seinen natürlichen Funktionen.

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